Montag, 9. Dezember 2013

Rennsteiglauf (2013)

Als ich kurz nach 20 Uhr bei strömendem Regen in Berlin ankam, hatten sich die Freunde schon zum Fußball-Fernsehabend bei Stefan versammelt, um das CL-Finale in großer Runde zu schauen. Ein wenig Aufmerksamkeit aber bekam ich dennoch ab, als ich von meinem beschwerlichen Abenteuer des Vormittags berichtet, als ich erstmals den Rennsteiglauf in Angriff genommen hatte.

Mit einer Mischung aus Staunen und Entsetzen vergewisserte sich Mike: “72km bist du gelaufen?!” Ich nickte. “Das ist ja von Berlin bis Frankfurt/Oder; das fahre ich ja noch nicht mal mit dem Auto”.

Ich wertete das als Kompliment. Selbst Freunde, die Einblick in das eigene Leben und die Strapazen der Vorbereitung haben, kann man schwer davon überzeugen, dass das Laufen über eine längere Distanz auch Spaß machen kann. Heutzutage, da jede/r einen Marathon in seinem Lebenslauf anbringen will, scheinen Strecken jenseits der 42,195km noch immer den Verrückten vorbehalten zu sein.

Auch ich hatte mich erstmals im Vorjahr auf die längeren Strecken vorgetastet. Im April 2011 kam ich das erste Mal mit einem Ultraläufer in Berührung: Auf einer Geburtstagsfeier traf ich Cornelius, der mir von seinem Spartahlon 2009 erzählte, einem Ultralauf über 248km, für dessen Finishen eine Begleitung notwendig ist. Also nochmal eine ganz andere Hausnummer. Zudem hatte ich nach Nicos langem Drängen ein Buch gelesen, das nachhaltigen Eindruck auf mich machte: Chris McDougall´s "Born to run". Dieses moderne Epos um Caballo Blanco und die Tarahumaras wurde zu einem wichtigen Begleiter damals und noch heute. Ein paar Seiten gelesen, und schon war ich bereit zu laufen.

Und so war es ein schöner Zufall, dass ich meine Premiere am Rennsteig zusammen mit Cornelius und Nico begehen konnte. Wir reisten zusammen an, hatten es in der Vorbereitung aber nur selten geschafft, mal zusammen laufen zu gehen. Zudem wurde unser aller Vorbereitung durch das Fehlen von Bergen erschwert. In Berlin gibt es zwei Berge im Grunewald und dann noch paar kleinere Hügel. Ich quälte mich im April die "Gelbe Runde" im Volkspark Prenzlauer Berg hoch, aber nach zwei Wochen hatte ich von extremer Mittagshitze und andauernden An- und Abstiegen auch genug.

Am Renntag selbst war ich eher müde als aufgeregt, da ich im Gymnasium kein Auge zugetan hatte. Überraschenderweise war es leicht, einen Platz dicht an der Startlinie zu ergattern, da ich nicht schon zum Anfang Slalom laufen wollte.

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