Als ich kurz nach 20 Uhr bei strömendem
Regen in Berlin ankam, hatten sich die Freunde schon zum
Fußball-Fernsehabend bei Stefan versammelt, um das CL-Finale in
großer Runde zu schauen. Ein wenig Aufmerksamkeit aber bekam ich
dennoch ab, als ich von meinem beschwerlichen Abenteuer des
Vormittags berichtet, als ich erstmals den Rennsteiglauf in Angriff
genommen hatte.
Mit einer Mischung aus Staunen und
Entsetzen vergewisserte sich Mike: “72km bist du gelaufen?!” Ich
nickte. “Das ist ja von Berlin bis Frankfurt/Oder; das fahre ich
ja noch nicht mal mit dem Auto”.
Ich wertete das als Kompliment. Selbst
Freunde, die Einblick in das eigene Leben und die Strapazen der
Vorbereitung haben, kann man schwer davon überzeugen, dass das
Laufen über eine längere Distanz auch Spaß machen kann.
Heutzutage, da jede/r einen Marathon in seinem Lebenslauf anbringen
will, scheinen Strecken jenseits der 42,195km noch immer den
Verrückten vorbehalten zu sein.
Auch ich hatte mich erstmals im Vorjahr
auf die längeren Strecken vorgetastet. Im April 2011 kam ich das
erste Mal mit einem Ultraläufer in Berührung: Auf einer
Geburtstagsfeier traf ich Cornelius, der mir von seinem Spartahlon
2009 erzählte, einem Ultralauf über 248km, für dessen Finishen
eine Begleitung notwendig ist. Also nochmal eine ganz andere
Hausnummer. Zudem hatte ich nach Nicos langem Drängen ein Buch
gelesen, das nachhaltigen Eindruck auf mich machte: Chris McDougall´s
"Born to run". Dieses moderne Epos um Caballo Blanco und
die Tarahumaras wurde zu einem wichtigen Begleiter damals und noch
heute. Ein paar Seiten gelesen, und schon war ich bereit zu laufen.
Und so war es ein schöner Zufall, dass
ich meine Premiere am Rennsteig zusammen mit Cornelius und Nico
begehen konnte. Wir reisten zusammen an, hatten es in der
Vorbereitung aber nur selten geschafft, mal zusammen laufen zu gehen.
Zudem wurde unser aller Vorbereitung durch das Fehlen von Bergen
erschwert. In Berlin gibt es zwei Berge im Grunewald und dann noch
paar kleinere Hügel. Ich quälte mich im April die "Gelbe
Runde" im Volkspark Prenzlauer Berg hoch, aber nach zwei Wochen
hatte ich von extremer Mittagshitze und andauernden An- und Abstiegen
auch genug.
Am Renntag selbst war ich eher müde
als aufgeregt, da ich im Gymnasium kein Auge zugetan hatte.
Überraschenderweise war es leicht, einen Platz dicht an der
Startlinie zu ergattern, da ich nicht schon zum Anfang Slalom laufen
wollte.
WEITERER TEXT FOLGT
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