Eine Wildcard ermöglichte es mir, am ersten Mai-Wochenende am
Strongman Run auf dem Nürburgring teilzunehmen. Ich hatte mir in
Vorbereitung auf den Wettbewerb ein paar Videos im Netz angeschaut und
dachte zu wissen, was mich erwartet: 2 Runden a 11km, dazu auf jeder
Runde 15 Hindernisse, also ein bißchen hüpfen, ein bißchen krabbeln, ein
bißchen gequält werden.
Am Samstag um 12 Uhr fiel der Startschuss. Da einer der Ordner seine
Anweisungen zu ernst nahm, konnten wir erst 2min vor vor dem Start
unsere Aufstellung in der ersten Reihe einnehmen. Ein nicht zu
unterschätzender Vorteil, wenn sich mehr als 10.000 Starter durch enge
Passagen quälen müssen.
Die zu überspringenden Heuballen am Anfang, die einen nie einen
Rhythmus finden ließen, die vielen Treppen, unterschiedlich tiefen
Schlammlöcher, kombinierten Container-Seil-Hindernisse, all die alten
Reifen, die zu überlaufen mich so unendlich viel Zeit kosteten – die
Organisatoren hatten ganze Arbeit geleistet. Dazu noch zwei richtig
extreme Hügel eingebaut, nach deren Überwindung ich mit gefühlten 3 km/h
weiterlief und entschied, das Rennen an diesem Tag etwas ruhiger
angehen zu lassen.
Um das unangenehmste Hindernis zu überwinden, musste man sich in
einem 15m langen Gitter-Käfig fortbewegen; das ging nur auf allen
vieren. Von der Decke hingen Papierstreifen herunter. Und ehe ich mich
versah, hatte ich den ersten Stromschlag bekommen. Aber wie heftig! Das
fühlte sich nicht an wie am Weidezaun; ich dachte, jemand hätte mir von
hinten einen kräftigen Tritt versetzt. Ich sah mich um, aber da war
niemand. In der zweiten Runde robbte ich extrem tief durch den Kies,
aber es reichte trotzdem für insgesamt sieben Stromschläge.
In der zweiten Runde kollabierte das Rennen. Die Athleten, die sich
auf der letzten Runde befanden, liefen (so schnell es eben ging), die
Teilnehmer, die gingen, waren gerade auf ihrer ersten Runde. Und
irgendwann standen wir alle. Somit wurde der Zieleinlauf zur Lotterie,
da man sich als Überrundender nicht nur von der überfüllten
Verpflegungsstelle ausgeschlossen sah, sondern auch vor den Hindernissen
brav warten musste. Jetzt galt es, Wartezeiten zu überbrücken oder im
Slalom durch die Gegend zu rennen. Zum Schluss hatte ich das Glück, in
einer Dreier-Gruppe mitzulaufen, deren erster Mann gebetsmühlenartig
sein Sprüchlein "Sorry, tut uns leid, Überrundung" aufsagte, worauf sich
tatsächlich eine Gasse auftat.
Nach 2:18h erreichte ich das Ziel und stürzte mich auf das Erdinger
Alkoholfrei. Die Idee, vor der Rückfahrt (670km) noch einmal zu duschen,
hatte ich nicht exklusiv, so dass sich vor der Dusche, die zum
hoteleigenen Schwimmbad gehörte, die schlammverkrusteten Klamotten und
Schuhe stapelten. In der Dusche dominierte dann ein erdiger Braunton.
Die Reinemachefrau schlug bei diesem Anblick die Hände überm Kopf
zusammen und fluchte in einer mir unbekannten Sprache.
Auf der Rückfahrt erzählte einer der Mitfahrer, dass er den Krampf in
seiner Wade ausgerechnet dann bekam, als sich der Pulk mal wieder
gestaut hatte und er mit einem Bein in einer Schlammloch feststeckte.
Armer Kerl!
FAZIT
Charakter: Autostrecke mit Hindernissen aufgepeppt, Verhältnis Laufen /Parcour etwa 80:20
Hindernisse: alles ohne fremde Hilfe machbar
Preis/Leistung: naja: 80€ für das Ticket + 70€ Fahrkosten (MFG) + Ü/F
Verpflegung: auf der 2. Runde von einem riesigen Läuferpulk versperrt
mal probieren: Braveheart Battle in Münnerstadt
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen